Nationalsozialistische Europapläne


 
 

2. Okkupationspolitik als Hinweis auf die neue Ordnung
 
 

Kroener unterscheidet 3 Formen der Verwaltung im besetzten Europa: erstens die Ausdehnung der Reichsverwaltung, zweitens die Einsetzung von Zivilverwaltungen und drittens die Beibehaltung der Militärverwaltung (Kroener et. al 1999: 6) Ein organisatorisches Chaos herrschte vor allem im Osten, wo sich sowohl Wehrmacht, SS, die Vierjahresplanbehörde als auch das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete in die Quere kamen. Overy bezeichnet dieses System als "exported chaos" da die polykratische Struktur des Reiches auf die besetzten Gebiete umgelegt wurde. (Overy 1997: 19) Röhr weist darauf hin, daß Hitler wohl gegen eine Vereinheitlichung der Verwaltung im ganzen besetzten Gebiet war, da er sich nicht an kriegsrechtliche Vorschriften binden lassen wollte und seine Kriegsziele geheim bleiben sollten. Röhr weiter:

Hitlers Zurückhaltung...bedeutete daher keineswegs, daß durch die Okkupationspolitik selbst nicht bereits künftige, auf dauernde Herrschaft angelegte Strukturen vorbereitet bzw. geschaffen wurden. Offiziell aufgeschobene Entscheidungen wurden durch eine Politik, die vielfach vollendete Tatsachen schuf, de facto vorweggenommen. (Röhr 1996: 118)

Röhr nennt folgende Grundzüge die in allen okkupierten Gebieten vorhanden waren, also sozusagen eine europäische Dimension aufwiesen:

 

(Röhr 1996: 143)

Mittels der Okkupationspolitik wurde versucht, die besetzen Gebieten äußerlich (Staaatsgebiet) und innerlich (Bevölkerungs, Wirtschafts, Sozial und politische Struktur) neu zu ordnen und vollendete Tatsachen zu schaffen. Die gravierendsten Folgen waren dabei in der sogenannten Volkstumspolitik zu spüren. (siehe Röhr 1996: 264, 277).

Der Terror war integraler Bestandteil der inneren Neuordnung der besetzten Staaten, besonders wenn diese eingedeutscht werden sollten. Terroristische Gewalt wurde zur "prima ratio und tendenziell zur una ratio der Besatzungspolitik." (Röhr 1996: 284)



Zurück zum Index

Voriges Kapitel

Nächstes Kapitel  

Bildquellen: siehe Quellenkritik


Copyright 2000 by Daniel Spichtinger


 
1